Der Volkswagen Crafter ist als Nachfolger des VW LT ein „Schwestermodell“ des Mercedes-Benz NCV3. Schon wie bei der zweiten Generation des LT baut Volkswagen wieder auf ein Gemeinschaftsprojekt mit Mercedes Benz. Der VW Crafter wie auch der Mercedes-Benz NCV3 laufen gemeinsam in Ludwigsfelde und Düsseldorf bei Daimler vom Band.

Technisch ist der Crafter mit dem Sprinter weitestgehend identisch, während die optischen Gemeinsamkeiten an der Fahrzeugfront enden. Der VW Crafter besitzt einen großen Kühlergrill und anders als der Sprinter vertikal angeordnete Scheinwerfer. Dieses Design erinnert stark an den von VW entwickelten Brasilien-Lkw VW Constellation.

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Der Crafter wird wie der Sprinter in drei Radständen, vier Laderaumlängen und drei Dachhöhen produziert. Erstmals bietet Volkswagen serienmäßig einen Rußpartikelfilter und Common-Rail-Einspritzung bei den Motoren (zwischen 65 kW/89 PS und 121 kW/164 PS) an.

Varianten

Crafter Radstand Kombi Kombi-Hochdach Kasten K.-Hochdach K.-Superhochdach Pritsche P. mit Doppelkabine
30 3250 mm X   X     X X
30 3665 mm X X X X   X X
35 3250 mm X   X     X X
35 3665 mm X X X X X X X
35 4325 mm   X   X X X X
50 3665 mm X X X X X X X
50 4325 mm X X   X X X X
 

Fahrwerk

Das Fahrwerk entspricht im Wesentlichen dem des VW LT der zweiten Generation, wurde aber in einigen Details überarbeitet.

Vorderachse

Die Grundkonstruktion der Vorderachse ist eine Dämpferbein-Achse mit Einzelradaufhängung. Der Crafter besitzt jetzt ein 16″-Fahrwerk mit verbreiterter Spur. Die wie beim Vorgänger quer liegende Blattfeder besteht aus GFK und hat somit ein geringeres Gewicht bei verbessertem Stabilisierungsvermögen. Serienmäßig ist beim Crafter jetzt auch ein Stabilisator. Die Achse wurde vom Fahrzeugaufbau mit Gummilagern akustisch entkoppelt. Das Fahrverhalten wurde leicht untersteuernd bis neutral ausgelegt.

Hinterachse

Die Hinterachse ist eine starre, an zwei längs eingebauten Blattfedern geführte Konstruktion. Bei den Varianten Kastenwagen bzw. Kombi wird der Aufbau über große Gummilager akustisch entkoppelt. Die Federungsabstimmung wurde verbessert und die Stoßdämpfer wurden etwas weiter nach außen verlegt, um der gefährlichen Wankneigung wie etwa beim schnellen Spurwechsel besser entgegenzuwirken. Beim Crafter 50 kommt serienmäßig ein Stabilisator zum Einsatz, der beim Crafter 35 optional erhältlich ist.

Bereifung

Beim Crafter 30 werden serienmäßig 205/75R16C-Reifen auf 5,5Jx16-H2-Felgen eingesetzt. Die Reifengröße 235/65R16C mit Felge 6,5Jx16-H2 gehört beim Crafter 35 zur Serienausstattung oder ist als Sonderausstattung für den Crafter 30 erhältlich. An der Hinterachse des Crafter 50 wird Zwillingsbereifung in der Größe 195/75R16C oder 205/75R16C auf Felge 5,5Jx16-H2 eingesetzt. Der Crafter 50 kann als Besonderheit anstelle der Zwillingsbereifung auch mit sogenannten Supersingle-Reifen ausgerüstet werden. Hierbei wird das zulässige Gesamtgewicht auf 4,6 t abgesenkt. Der hohe Traglastindex von 128 entspricht einer maximalen Reifentragfähigkeit von 1800 kg. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 140 km/h begrenzt. Der Vorteil besteht im geringeren Rollwiderstand und der Möglichkeit, die Radkästen im Gegensatz zur Zwillingsbereifung schmaler zu gestalten.

Bremsanlage

Bei der Bremsanlage kommen Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterachse zum Einsatz, die vorderen sind innenbelüftet, ab Crafter 50 auch an der Hinterachse. Wie beim LT2 besteht die Feststellbremse auch hier aus einer kleinen, in die hintere Bremsscheibe integrierten Trommelbremse. Das hydraulische Zweikreissystem mit diagonaler Anordnung und hydraulischem Bremsassistent wird von einem pneumatischen 10″ Bremskraftverstärker unterstützt. Serienmäßig wurde der Crafter mit ABS, Antriebsschlupfregelung ASR und einem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP ausgestattet. Dieses ist die neueste Generation von Bosch und berücksichtigt die Beladung des Fahrzeugs in seiner Regelcharakteristik.

Lenkung

Um einen hohen Komfort zu erreichen wurde eine hydraulisch unterstützte Zahnstangenlenkung eingebaut. Die Lenksäule ist zur besseren Crashsicherheit teleskopartig verschiebbar gestaltet und kann als Option in Höhe und Neigung verstellt werden. Das Lenkschloss ist nicht mehr wie bisher rein mechanisch aufgebaut, sondern wird über das elektromechanische Zündschloss mit einem Stellmotor verriegelt.

Motormechanik

Die im Crafter eingesetzten Aggregate basieren auf dem schon im VW Transporter und VW LT 2 eingesetzten Reihen-Fünfzylindermotor mit einem Hubraum von 2,5 Litern. Zur Verbesserung der Laufkultur und um den neuen, strengen Abgasnormen Rechnung zu tragen wird jetzt allerdings eine Common-Rail Einspritzanlage verwendet und es kommen auch Rußpartikelfilter zum Einsatz. Die Motoren werden im Crafter längs zur Fahrtrichtung eingebaut. Die Steuerung der Nockenwelle und der Antrieb von Hochdruck- und Kühlmittelpumpe wird über einen verstärkten Zahnriemen vorgenommen, der ein Wechselintervall von 200.000 km hat. Die sechsfach gelagerte, gesenkgeschmiedete Kurbelwelle befindet sich in einem Gehäuse aus Grauguss mit Lamellengraphit. Sie besitzt jetzt im Durchmesser verstärkte Hubzapfen, um die Torsionskräfte besser aufzunehmen. Die Kolben aus Aluminiumlegierung haben eine asymmetrische Kolbenmulde zur besseren Verwirbelung des eingespritzten Kraftstoffs. Bei den Motoren mit höherer Leistung werden die Kolbenböden durch Ölspritzdüsen zusätzlich von unten gekühlt. Um den hohen Verbrennungsdrücken gerecht zu werden, sind die Pleuelstangen trapezförmig ausgelegt und damit verwindungssteifer. Die neue fünflagige Metallzylinderkopfdichtung ermöglicht eine bessere Abdichtung der Brennräume sowohl untereinander als auch nach außen hin. Die Nebenaggregate des Motors wie Generator, Kältemittelkompressor, Hydraulikpumpe und Kühlerlüfter werden über einen Einriemenantrieb mittels Keilrippenriemen versorgt.

Schmierung

Die Ölversorgung wird über eine vorn auf der Kurbelwelle sitzende Sichelzahnölpumpe sichergestellt. Ein internes Überdruckregelventil schützt die Motorteile vor einem eventuell zu hohen Öldruck. Das Ölfiltermodul mit Papiereinsatz ist in stehender Bauweise seitlich am Motorblock angeflanscht und ermöglicht einen besseren Zugang bei Wartungsarbeiten. Für den Zylinderkopf ist zusätzlich ein Öldruckhalteventil vorgesehen, das bei absinkendem Öldruck noch eine Restschmierung gewährleistet und so die Lagerung der Nockenwelle vor Schäden schützt. Die Ölmenge im Motor liegt bei ca. 9 Litern.

Kühlung

Zur Umwälzung des Kühlmediums wird eine über den Zahnriemen angetriebene mechanische Kühlmittelpumpe verwendet. Zusätzlich soll eine elektrisch betriebene Pumpe einen Wärmestau bei abgestelltem Motor verhindern, sie übernimmt auch die Funktion der Motorrestwärmenutzung. Hierbei kann über einen Taster in der Heizungsregulierung die Fahrzeugheizung auch nach dem Abstellen des Motors, je nach Außentemperatur, für weitere 20 Minuten genutzt werden. Der Durchfluss durch den Wasserkühler wird über einen mechanischen Dehnstoffthermostaten geregelt. Über das Kühlsystem wird auch der Kühler für Abgasrückführung und der Motorölkühler gekühlt.

Kraftstoffversorgung

Im Kunststoffkraftstoffbehälter befindet sich eine elektrische Vorförderpumpe zur kontinuierlichen Kraftstoffförderung. Von dort wird über den Kraftstoffilter und den Kraftstoffspeicher die mechanisch angetriebene Hochdruckpumpe versorgt. Diese stellt den zur Einspritzung benötigten Druck bereit. Der Kraftstoffilter besitzt eine zusätzliche elektrische Filterheizung, die bei sehr niedrigen Außentemperaturen die Bildung von Paraffinkristallen und damit ein Verstopfen des Filters verhindert. Von den Einspritzventilen nicht benötigter Kraftstoff wird über ein Druckhalteventil und eine Rückleitung wieder dem Kraftstoffbehälter zugeführt.

Common-Rail-Einspritzung

Die piezo-elektrischen Einspritzventile, die mit einem maximalen Druck von 1600 bar arbeiten, ermöglichen durch ihre Bauart mehrere Vor- und Nacheinspritzungen, und damit einen geräusch- und emissionsarmen Motorlauf. Die Regelung der Einspritzung erfolgt über ein Bosch EDC-16C-System.

Abgasturbolader

Der Abgasturbolader mit variabler Turbinengeometrie wird über eine Unterdruckdose gesteuert. Vom Motorsteuergerät wird je nach Lastzustand der optimale Ladedruck eingeregelt. Auch der maximale Ladedruck wird vom Steuergerät begrenzt. Da sich die Luft im Turbolader sehr stark aufheizt und somit die zur Verbrennung zur Verfügung stehende Sauerstoffmenge stark abnimmt, wird ein Ladeluftkühler eingesetzt.

Abgasreinigung

Zur Abgasreinigung wird ein Rußpartikelfilter eingesetzt. Bei diesem werden Oxidationskatalysator und Partikelfilter zu einer Einheit zusammengefasst und direkt hinter dem Turbolader abgebracht. So soll ein schnelles Erreichen der Betriebstemperatur und damit eine optimale Regeneration ermöglicht werden. Der Einsatz eines Additivs ist hierbei nicht notwendig. Wird der Motor vorwiegend im Teillastbereich betrieben, erfolgt die Regenerierung über eine Anhebung der Abgastemperatur.

Abgasrückführung

Auch beim Crafter wird zur Verringerung der Stickoxidemission eine Abgasrückführung (AGR) eingebaut. Hierbei wird ein Teil der Abgase dem Verbrennungsprozess erneut zugeführt, was zu einer Absenkung des Sauerstoffgehalts beim Gemisch führt. Dadurch kann die Verbrennung verlangsamt und die Brennraumtemperatur gesenkt werden. Dieser Vorgang wird zusätzlich durch den AGR-Kühler unterstützt. Das AGR-Ventil wird beim Crafter elektrisch betätigt und kann so noch besser die Menge des zurückgeführten Abgases regulieren. Als Sensor dient eine vor dem Rußpartikelfilter eingebaute Lambda-Sonde zur Ermittlung des Restsauerstoffgehalts im Abgas. Vor dem AGR-Ventil wird noch eine elektrisch betätigte Saugrohrklappe verwendet, die bei Bedarf die angesaugte Luftmenge reduzieren kann. Dies wird zur Motorabstellung, zur Regeneration des Partikelfilters sowie zur Unterstützung der Abgasrückführung benötigt.

Vorglühanlage

Die Schnellstartglühanlage mit Keramikglühkerzen ermöglicht einen Sofortstart bis zu Temperaturen von -24° C. Durch das Steuergerät werden die Glühkerzen zeitversetzt mit einem pulsweiten-modulierten Signal angesteuert, um die elektrische Anlage zu entlasten. Das Steuergerät überwacht jede einzelne Glühkerze und signalisiert Störungen im System durch Aufleuchten der Kontrolllampe für Glühzeit.

Kraftübertragung

Alle im Crafter eingesetzten Getriebevarianten wurden von Daimler-Benz entwickelt.

6-Gang Schaltgetriebe

Serienmäßig werden beim Crafter 6-Gang-Schaltgetriebe in Dreiwellenbauweise eingesetzt, die über eine mehrteilige Kardanwelle die Kraft an die Hinterachse weiterleiten. Die Getriebe mit einem Gehäuse aus Aluminium-Druckguss gibt es in zwei Varianten für ein maximales Drehmoment von 330 bzw. 350 Nm, wobei die größere Variante beim 120-kW-Motor zum Einsatz kommt. Die Betätigung der Schaltung erfolgt über Seilzüge mit einem joystickartigen Schalthebel in der Schalttafel. Für Spezialaufbauten (Kipper, Kran, Abschleppfahrzeug etc.) ist optional ein vom Fahrerplatz aus zuschaltbarer Nebenantrieb erhältlich. Dauerhaft kann darüber eine Leistung von 28 kW und ein Drehmoment von 140 Nm bei einer Motordrehzahl von 1200/min bereitgestellt werden. Auf Grund der Getriebebauart ist ein nachträglicher Einbau in ein Standardgetriebe nicht möglich.

Shiftmatic

Zur Komfortverbesserung und zur Entlastung des Fahrers kann der Crafter als Sonderausstattung mit dem automatisierten Schaltgetriebe Shiftmatic versehen werden. Dieses ist beim 80-kW- und beim 100-kW-Motor erhältlich. Der innere Aufbau entspricht im Wesentlichen dem 6-Gang-Schaltgetriebe. Das Schalten der Gänge kann zum einen manuell durch Antippen des Joysticks oder auch vollautomatisch erfolgen. Obwohl eine herkömmliche Einscheiben-Trockenkupplung eingebaut ist, entfällt das Kupplungspedal bei diesem Getriebe. Das Betätigen der Kupplung und der einzelnen Gangstufen erfolgt hydraulisch und wird vom Getriebesteuergerät überwacht. Dazu verfügt die Shiftmatic über eine eigene Hydraulikpumpe, einen Druckspeicher, eine Hydrauliksteuereinheit und einen separaten Hydraulikölvorrat. Bei Ausfall einzelner Komponenten wird ein Notlaufprogramm aktiviert und der Automatikmodus abgeschaltet. Es ist nur noch ein manuelles Schalten bis in den dritten Gang möglich. Das Getriebeöl muss erst nach zehn Jahren oder 320.000 Kilometern ersetzt werden.

Elektrische Anlage

Beim Crafter werden die einzelnen Steuergeräte über CAN- und MOST-Bus-Systeme miteinander vernetzt.

Stromversorgung

Optional ist ein Zweibatterienkonzept möglich, bei der eine zweite Batterie für Zusatzkomponenten verbaut ist. Die über ein Trennrelais entkoppelte Starterbatterie wird somit erheblich entlastet. Eine Besonderheit ist, dass die Starterbatterie unter dem Fahrersitz eingebaut ist und sich die Zusatzbatterie im Motorraum befindet. Zum Fremdstarten des Motors ist ein spezieller Pluspolanschluss im Bereich des Luftfilters vorgesehen.

Beleuchtung

Zentrale Steuereinheit aller Hauptfunktionen ist das Bordnetzsteuergerät. Der Lichtschalter gibt über den Datenbus nur noch Schaltbefehle an dieses Steuergerät weiter. Optional ist auch ein automatisches Fahrlicht sowie Tagfahrlicht verfügbar. Die Blinkanlage verfügt analog zu den PKW-Modellen über eine Spurwechselfunktion, bei der ein einmaliges Antippen des Blinkerschalters ein dreimaliges Aufleuchten der Blinkleuchten zur Folge hat. Nach einer Airbagauslösung bei einem Unfall erfolgt automatisch die Ansteuerung der Warnblinkfunktion.

Sonderausstattungen

Der Crafter verfügt über eine Vielzahl von zusätzlich möglichen Ausstattungen.

  • Regensensor
  • beheizbare Frontscheibe
  • Zentralverriegelung
  • Diebstahlwarnanlage mit Innenraumüberwachung und Abschleppschutz
  • Einparkhilfe
  • Reifendruckkontrolle
  • Radio- und Navigationssysteme
  • Telefon
  • Fahrtenschreiber

Karosserie

Der Crafter verfügt in den Versionen Kasten und Kombi über eine selbsttragende Ganzstahlkarosserie in Integralbauweise. Gegenüber dem LT wurde die Konstruktion in einigen Details verbessert, um die Stabilität und das Crashverhalten zu optimieren. So wurden die Säulen verstärkt und es werden Laserlöt- und Schweißverfahren eingesetzt. Einige Teile werden durch moderne Klebeverfahren miteinander verbunden, um die Verwindungssteifigkeit zu erhöhen. Die Längsträger besitzen energieabsorbierende Deformationselemente, die bei einem Frontalcrash die Aufprallwucht abfangen.

Sitze

Fahrer und Beifahrersitz verfügen über Dreipunkt-Sicherheitsgurte mit Gurtkraftbegrenzer. Der Beifahrersitz kann auch als Mehrausstattung mit einer Doppelsitzbank versehen werden. Beim Kombi befinden sich im Fahrgastraum zwei Sitzreihen mit Doppelsitzbänken, die dritte Sitzreihe wird als Dreifachsitzbank ausgelegt. Auf allen Sitzplätzen befinden sich 3-Punkt-Gurte, optional können die Doppelsitzbänke mit ISOFIX-Halterungen für Kindersitze versehen werden.

Insassenschutz

Die Bodenstruktur wurde im Vergleich zum LT nochmals verstärkt, um die Fahrgäste besser zu schützen. Serienmäßig ist beim Crafter ein Fahrerairbag eingebaut, Beifahrer- und Kopfairbag sind als Sonderausstattung lieferbar. Im Fahrerhaus kommen pyrotechnische Gurtstraffer zum Einsatz.

Weblinks

Commons Commons: VW Crafter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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